Mit der Axt zum Badesee

Mit der Axt zum Badesee

Besonders im Winter versuchen sich Radsportler gerne, mal mehr mal weniger elegant, an Alternativsportarten. Gewichte heben, Laufen oder Eisschwimmen. Eisschwimmen? Warum Kristina Jordan am liebsten mit der Axt zum Badesee geht, sie zwei Badekappen trägt und sich betäubte Haut irgendwie angenehmer anfühlt, erzählt Sie uns im Interview.

       RSC: Es war zeitweise schon sehr frühlingshaft, wie fühlt sich das Eisschwimmen an, nachdem noch vor kurzem die Temperaturen im zweistelligen Minusbereich lagen und reichlich Schnee lag?

Kristina: Schon fast ein wenig surreal. Vor anderthalb/zwei Wochen waren wir in Skikleidung am See und vor ein paar Tagen bin ich dort in kurzer Sporthose angekommen. Aber das Wasser ist noch fast genauso kalt wie in den letzten Wochen. Logisch, denn es erwärmt sich deutlich langsamer, im Vergleich zur Luft. Auch wenn es mittlerweile draußen schon um die 18 Grad warm war, schwammen wir vor nicht all zu langer Zeit trotzdem noch durchs Eis. Das Wasser war an dem Tag, als wir die frühlingshaften Temperaturen hatten, gerade einmal 1,8 Grad C. warm. Wobei wir mittlerweile schon wieder schwimmen können, das war vor gut einer Woche noch deutlich schwieriger, wir mussten unser kleines Loch am Rand mit einer Axt vergrößern, um überhaupt ein paar Meter schwimmen zu können.

RSC: Ein bisschen verrückt ist das aber schon?

Kristina: Naja, was soll ich sagen, das ist die Frage, die ich seit Monaten am häufigsten höre.

          RSC: Wir lange machst du das denn schon?

Kristina: Ich habe erst Ende Oktober 2020 damit angefangen, als die Schwimmbäder wieder schlossen und ich die Posts einer Freundin auf Facebook verfolgte, die regelmäßig ihre Winterschwimmaktivitäten bei Facebook veröffentlichte. Das hat mich inspiriert. Ich schrieb sie dann irgendwann an, dann ging alles ganz schnell und ich war dabei. Das Wasser war zu dem Zeitpunkt noch circa 9 Grad C. warm, kein Vergleich zu jetzt, und ich war vor dem ersten Treffen am See mega aufgeregt.

Am Anfang bin ich zum Testen mit Neoprenanzug in den See, nach 7 Minuten wieder raus und dann weitere 8 Minuten ohne Neo geschwommen. Und ich muss sagen, es war super. Mich hatte das Winterschwimmfieber direkt gepackt.

       RSC: du sagtest gerade, dass du erst mit Neo, dann ohne Neo im Wasser warst. Schwimmst du denn immer noch ohne Neo?

Kristina: Genau, wir schwimmen ohne Neo. Als die Temperaturen dann deutlich einstellig wurden, haben wir uns zumindest Neoprensocken und Neoprenhandschuhe besorgt, aber grundsätzlich schwimmen wir ohne Neoprenanzug. Das funktioniert sogar ganz gut. Zusätzlich trage ich zwei Badekappen und schütze meine Ohren, was ich sonst nicht mache.

       RSC: Und wie fühlt es sich an in solch kaltem Wasser zu schwimmen?

Kristina: Faszinierend! Ich finde es kniffeliger bei 30 Grad C. Lufttemperatur in 25 Grad warmes Wasser zu gehen, das fühlt sich unangenehmer an. Wenn ich im Winter in kaltes Wasser gehe, finde ich es einfacher, weil man da auch mental ganz anders an die Sache ran gehst, als im Sommer. Auch finde ich es bei Minustemperaturen und Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt angenehmer als bei 4 Grad Wassertemperatur. Die Haut fühlt sich direkt betäubt an, deshalb ist es, zumindest für mich, gefühlt angenehmer.

       RSC: Ist das Schwimmen im eiskalten Wasser denn für jeden geeignet?

Kristina: Nein, auf gar keinen Fall! Für Ungeübte oder Kranke kann es sogar gefährlich werden. Deshalb, wer neu damit anfängt, sollte, um auf Nummer sicher zu gehen, sich lieber vom Hausarzt oder Sportmediziner untersuchen lassen – idealerweise sogar ein EKG machen lassen. Die Belastung für den Körper ist sehr hoch, es kann zu Herz-Kreislaufproblemen kommen, erst recht, wenn man Vorerkrankungen hat. Kaltes Wasser hat noch einmal ganz andere und extremere Wirkung auf den Organismus als kalte Luft.

       RSC: Okay, das ergibt Sinn. Sollte man sonst noch etwas beachten?

Kristina: Ja, beim Reingehen ins Wasser ruhig atmen, bloß nicht hektisch werden. Dann geht’s auch nach kurzer Zeit. Und ebenso wichtig: nicht übertreiben, sondern nur kurz im Wasser bleiben. Auch empfehle ich mit Schwimmboje zu schwimmen, dann wird man zumindest gut gesehen. Wobei diese nicht nur beim Winterschwimmen obligatorisch sein sollte. Des Weiteren sollte immer eine Begleitperson außerhalb des Sees dabei sein, um im Notfall zu helfen. Ich persönlich finde es aktuell auch schwierig Kraul zu schwimmen, weil das kalte Wasser im Gesicht doch sehr unangenehm ist, ich probiere es immer mal zwischendurch, aber wird noch ein paar Wochen dauern, bis es wieder richtig möglich ist. Auch ist das Schwimmen bei diesen kalten Temperaturen sehr sehr langsam. Naja, eher Bewegungstherapie im kalten Wasser 😀 Aber das wird wieder…

 

       RSC: Wie regelmäßig trefft ihr euch?

Kristina: Aktuell einmal pro Woche, meistens samstags. Jetzt wo die Tage wieder länger werden, war ich auch schon mal unter der Woche nach der Arbeit. Das war zu der Zeit, als es so eisig war und einiges an Schnee lag. Da musste ich los, solche Momente mit Schnee zu schwimmen und vorher das Eis mit der Axt aufzuschlagen sind echt selten – gerade bei uns hier oben im Norden…Aber dann ins Wasser zu gehen ist der Hammer, und die Stunden danach sind unfassbar intensiv. Ich habe die Nacht danach kaum geschlafen, weil ich so happy und aufgekratzt war 😀

  

RSC: Vielen Dank für deine Eindrücke über diesen verrückten Sport – wenn ich das so sagen darf. Eine letzte Frage noch: Wirst du auch im nächsten Winter ins Eiswasser steigen?

Kristina: Ebenso, vielen Dank. Auf jeden Fall werde ich damit weitermachen – sofern ich natürlich gesund bleibe

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